 KOPFKUPPELARCHITEKTUR,
Lichtzeichnung, Negativformat 18 x 24 cm, 1975 |

ELEMENTARFIGUR,
Ätzradierung auf Kupferplatte 23 x 25 cm, 1981 |
HANS
PRAETTERHOFFER
LICHTZEICHNUNGEN - RADIERUNGEN
Die
Radierungen entstehen seit 1977. Sie lösten die
Lichtzeichnungen ab, ein Medium, das ich seit 1969 verwendet hatte.
Lichtzeichnungen entstehen
mit Hilfe einer Punktlichtquelle als Zeichengerät
und werden von meist mehreren Foto-Kameras von verschiedenen Seiten
festgehalten. Das Zeichnen geschieht bei Dunkelheit oder
Dämmerung im Freien oder im Atelier. Befreit von der
Perspektive, die mir ja der Fotoapparat abnahm, zeichnete ich
direkt räumlich in den Raum. Die Nutzung der
Körperproportionen und -radien, das Tanzartige und Trancehafte
dieses Vorgehens, das Monumentale der Zeichnungen, die den Raum in
allen Dimensionen erfüllen, sind Komponenten dieser Technik.
Eigentlich müßte man Lichtplastik sagen.
Hatte ich zuerst meist Gitter- und Kuppel-Elemente gezeichnet, die aus
den Bewegungen, aus dem Ziehen der Linie mit dem ausgespannten Arm und
der
Bewegung des Gehens entstehen, begann ich immer mehr vom
Körper weg exzentrisch Körperelemente in den Raum zu
übertragen. Der Effekt, daß die
zuletzt gezeichneten Lichtlinien noch sekundenlang vor den Augen
erscheinen, führte zu sich immer mehr erweiternden
Assoziationen. Es wurde ein
Trancezustand erreicht, in dem ich mich selbst als Anhängsel
meines schwebenden und rotierenden Lichtpunktes empfand, die Zeichnung
als Spur
meiner Gestik entstand aus meinen lustvollen, z. T. angstvollen (nachts
im Wald) Bewegungen. Elektrisches Zeichnen als magische Kulthandlung.
Hätte ich ähnlich gute Ergebnisse mit Bleistift auf
Papier zustande gebracht, ich hätte mit dem Lichtzeichnen
aufgehört, was ich ja auch getan habe,
als ich versuchsweise mit dem Radieren begann. Auf der Kupferplatte
hatte ich ihn wieder, meinen großen Raum, in dem ich mit der
haarfeinen Spitze der Radiernadel umherwandern konnte wie im Gelände. Eine
kleine Kupferplatte war für mein Gefühl
groß wie ein ganzer Garten oder Atelier-Raum.
Ich empfand es auch nicht störend, auf die Fläche
reduziert zu sein, spürte förmlich die Tiefe meines
zu füllenden Raumes, das weiche Kupfer saugte
die harte Stahlspitze ein, gab ihrem Verlauf seineBahn, als
wären schon unsichtbare Geleise vorhanden, die es auszufahren
und sichtbar zu machen galt.
Mein besonderes Anliegen bei den Radierungen ist, dem Betrachter einen
großen Spielraum an Assoziationsmöglichkeiten zu
geben. Ich vermeide
deshalb auch allzu einengende Titel. Gezeichnet habe ich
Linien-Elemente, aus denen Darstellungen von menschlichen Figuren oder
mythologischen
Wesen zusammengesetzt sein könnten. Ich habe vor dem inneren
Auge Gestalten vor mir gesehen, die schneller wechselten, als ich
zeichnen konnte.
Ich versuchte ihr Äußeres und ihr Inneres, Organe,
Nervenbahnen, ihre Vorder- und Rückseite gleichzeitig
darzustellen. Das Spezielle an den Radierungen
ist auch, daß sie meist in einem Guß, ohne
Unterbrechung gezeichnet sind. Das Kupfer wird mit Intensität
aufgeladen, die, wenn sie ihren Höhepunkt
erreicht hat, schnell abnimmt: Signal den Zeichenvorgang zu beenden.
Die Ausdeutung dieser Art Zeichnungen d. h. eine klar umrissene Figur
herauszuschälen, den Hintergrund zu bestimmen, Licht und
Schatten zu ordnen,
habe ich nach der Haupt-Phase der Radierungen 1978 in Angriff genommen
und zwar in meinen Tempera-Bildern, die ebenfalls mit der Radiernadel
gekratzte Zeichnungen zur Grundlage haben.
Hans
Praetterhoffer, März 1981
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